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Frage an Angelika Schnabel

«Meine Oma ist im Sommer gestorben. Seitdem kann ich nicht mehr lachen, ich muss ständig an sie denken und weine dann. Was kann ich tun, damit ich nicht ständig an sie denken muss?»
Julia, 10 Jahre (Name geändert)

 

Liebe Julia!
Wenn ein geliebter Mensch stirbt
, dann ist dies ein ganz einschneidendes und manchmal lebensveränderndes Ereignis. Zunächst ist da einmal der Schmerz, die Verzweiflung, die Wut, auch ein inneres Chaos, das der Tod zurück lässt.
Und dennoch ist der Tod der Begleiter des Lebens. Er ist immer gegenwärtig. Junge Leute spüren das zum Glück meist nicht. Das Leben scheint unendlich lang und reich vor einem zu liegen. Erst wenn man älter wird und einige alte Verwandte sterben, merken die Menschen dann oft, dass das Leben wirklich endlich ist.
Für dich ist diese Phase früher gekommen als für andere. Du hast deine geliebte Oma verloren, der Tod hat eine Lücke hinterlassen, und da du ständig an sie denken musst, scheint der Schmerz immer präsent zu sein.
Es gibt Menschen, die an ein Leben nach dem Tod glauben, und es gibt solche, die glauben, dass mit dem Tod alles aus ist. Man muss sich eine Weile mit dem Tod und Sterben beschäftigen um zu seiner eigenen Meinung zu gelangen.
Wenn du dich mit dem Thema beschäftigst und darüber redest, wird der Tod seine böse Fratze verlieren. Du musst deine Ängste und Sorgen aussprechen, um sie loslassen zu können, um davon befreit zu werden.
Gibt es irgendeinen Menschen, mit dem du reden kannst? Dem du vertraust, der dich einfach erzählen lässt und dich in den Arm nimmt? Manchmal ist so ein Mensch eine gute Freundin. Es kann auch deine Mutter oder dein Vater sein, eine Tante oder Nachbarin, vielleicht eine Lehrerin. Auf jeden Fall wäre es gut, du würdest einen solchen Menschen finden und zugleich den Mut, über deine Gefühle zu reden.
Vielen Menschen hilft es auch, auf den Friedhof zu gehen und mit der verstorbenen Person zu sprechen. Wenn du in dich hineinhörst, kannst du vielleicht sogar eine Antwort fühlen. Bringe deiner Oma zum Grab eine Blume mit, schreibe ihr einen Brief oder male ihr ein Bild. Du wirst feststellen, dass sich etwas ändert.
Ich wünsche dir, dass du es schaffst, den Tod als Begleiter des Lebens zu verstehen, dich von deiner Oma zu verabschieden und für dich einen neuen Weg durchs Leben zu finden. Ich wünsche dir, dass du es schaffst, mit anderen Menschen zu reden, denn das wirst du dazu brauchen.
Alles Liebe!

 

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