Immer voll am Ball

Grosses SPICK-Interview mit Belinda Bencic

SPICK Fragen an Belinda Bencic:

Wieso hast du dich damals für Tennis entschieden oder hättest du dir auch eine andere Sportart vorstellen können?
Mein Vater fing an mit mir Tennis zu spielen als ich 3 Jahre alt war und mir hat es gleich gefallen. Ich könnte mir nicht vorstellen, eine ganz andere Sportart gleich professionell zu betreiben. Ich spielte einmal ein wenig Eishockey, machte Geräteturnen, spielte Fussball und bin auch geritten. Aber das war alles nur so nebenbei. Tennis war immer meine Leidenschaft.

Was fasziniert dich am Tennis?
Mich fasziniert, dass während eines Matches alles möglich ist. Egal, wie gross der Rückstand ist: Man kann immer wieder aufholen und der Match ist nie fertig, bis man sich die Hand gibt. Das fasziniert mich – ich bin ein Wettkamp-Typ, der immer weiterkämpft und weiss, dass ich den Match immer noch drehen kann.

Du spielst Tennis seit du 3 Jahre alt bist und hast seither praktisch jeden Tag trainiert unter der Woche: Wärst du manchmal gerne ein Kind und Teenager wie viele andere gewesen, die in ihrer Freizeit in den Ausgang, in die Badi gingen oder einfach viel mehr Zeit für sich hatten?
Ich habe meine Kindheit sehr genossen und das gemacht, das ich gerne machte. Natürlich gab es auch Momente, wo ich gerne abgemacht hätte statt zu trainieren an einem Nachmittag, aber auf der anderen Seite habe ich gelernt, dass man sich für etwas entscheiden muss im Leben: Du musst Dich für das entscheiden, das Dich interessiert. Ich hatte die Möglichkeit, viel zu reisen, viele Städte zu sehen und Leute kennenzulernen. Ich lernte, mit Medien umzugehen, mich auszudrücken. Diese Gelegenheit hatten andere Kinder in meinem Alter vermutlich weniger. Auf der anderen Seite hatte ich weniger Zeit und Freizeit für mich. Aber für mich hat’s gestimmt.

Wenn du dir etwas wünschen könntest: Was wäre das?
Ich wünsche mir, dass ich und meine Familie gesund bleiben und es den Menschen um mich gut geht. Und ich wünschte mir, dass ich mich teleportieren könnte und so nicht im Flugzeug und Auto reisen müsste.

Was ist dein grösster Traum?
Mein grösster Traum ist, einmal die Nummer 1 von der Welt zu sein, also die beste Tennisspielerin der Welt zu sein.

Deine Eltern unterstützten und förderten dich von Anfang an sehr, zogen sogar um fürs Tennis-Training, dein Vater war lange auch dein Trainer und begleitete dich jahrelang auf Turniere: War das auch ein Druck für dich, dich ihm zu beweisen und immer gut zu spielen?
Sehr gute Frage... Nein, für mich war das kein Druck – meine Eltern haben mir nie Druck gemacht. Natürlich haben sie mich gefordert und wollten, dass ich bei einem Match alles gebe. Und ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie ihr Leben quasi in den Hintergrund rückten für mich und meinen Bruder und uns so die Chance gaben, dass wir unseren Traum verfolgen konnten. Natürlich war ich ab und zu schon etwas nervöser bei einem Match, dass ich ihn gewinnen und gut spielen muss – aber diesen Druck hab ich mir dann selber gemacht. Meine Eltern haben mich immer unterstützt.

Wie gehst du generell mit Druck um? Der ist ja auf dem Platz jeweils gross...
Ja, das stimmt. Aber ich denke, jede Person hat Druck im Leben. In der Schule oder im Studium – auch hier muss man Prüfungen bestehen. Ich denke, ich kann eigentlich gut mit Druck umgehen. Ich brauche auch etwas Druck. Das fasziniert mich eben am Sport. Und im Spitzensport muss man einfach damit umgehen können, es geht nicht ohne. Eine sehr berühmte Tennis-Spielerin sagte mal: «Pressure is a privilege», also «Druck ist ein Privileg». Und wenn du gut spielst und Erfolg hast, dann hast du auch immer mehr Druck. Und man lernt, damit umzugehen.

Dein Bruder spielt auch Tennis: Empfindet ihr Euch als Konkurrenten oder feuert ihr Euch eher gegenseitig an?
Wir empfinden uns überhaupt nicht als Konkurrenten. Das würde ich glaube ich nicht mal so sehen, wenn wir jetzt zwei Mädchen oder zwei Jungs wären und sogar gegeneinander spielen würden. Er spielt im Männertennis, ich im Frauentennis und wir unterstützen uns gegenseitig: Wir schauen gegenseitig unsere Matches, schreiben und unterstützen uns und feuern uns an.

Was braucht es, um ganz an die Spitze zu kommen?
Es braucht sehr viel Ehrgeiz und Wille. Wenn du bereit bist, sehr viel zu trainieren und alles zu geben, hast du schon mal gute Voraussetzungen. Es braucht natürlich viel Können, Technik, Talent und auch ein wenig Glück. Ich versuche einfach immer, alles von mir zu geben und hoffe, dass es für die Spitze reicht.

Wie viel ist Fleiss, wieviel Talent?
Ich glaube voll an Fleiss. Fleiss schlägt Talent in jedem Fall. Ich denke, es gibt viele Spielerinnen und Spieler, die vielleicht etwas weniger Talent haben, aber es mit Fleiss wettmachen.

Was war der bisher schwierigste Moment in deiner Karriere?
Die schwierigsten Momente sind, wenn ich verletzt bin, wenn mir etwas weh tut, wenn ich mich nicht aufs Tennis konzentrieren kann oder wenn ich mit Schmerzen spielen muss. Das ist echt nicht lustig und erlebe ich nicht gerne.

Was war der schönste Moment in deiner Karriere?
Ich sollte jetzt sagen: Die Siege. Aber die schönsten Momente für mich sind jene, wo du realisierst, dass du das machen kannst, was du liebst. Als ich nach meiner letzten Verletzung wieder mit Tennisspielen angefangen habe, war das einer meiner schönsten Momente in meiner Karriere. Und sportlich gesehen waren es sicher die Siege gegen Serena und Anfang Jahr auch gegen Venus Williams.

Du hattest eine längere Verletzung wegen einer lädierten Sehne im linken Handgelenk. Anfang von diesem Jahr bist du wieder voll zur Weltspitze zurückgekehrt, hast Venus Williams am Australian Open besiegt und mit Roger Federer den Hopman-Cup gewonnen: Wie hast du es geschafft, wieder voll an die Spitze anzuknüpfen? Gibt es da ein Rezept?
Es war sehr schwierig. Ich war sehr frustriert und brauchte viel Geduld. Ich musste wieder von vorne anfangen. Mir hat geholfen, dass ich so froh war, dass ich wieder Turniere spielen konnte. Ich machte mir keinen Druck, sondern hatte einfach Freude am Spielen und so kam auch mein Level wieder zurück. Ich denke, so ist mir das gelungen.

Roger Federer ist für Dich eine Art Mentor, habe ich gelesen: Was gefällt dir besonders an ihm und was lernst du von ihm?
Ich lerne eigentlich alles von ihm! Es war unglaublich, ihn zwei Wochen direkt zu erleben und zu sehen, was so ein grosser Champion macht, auch neben dem Platz, wie er sich verhält, wie er mit Medien umgeht, wie er sich einläuft, wie er trainiert, wie er regeneriert, was er für ein Ziel hat. Dies alles konnte ich von ihm lernen und er hat mir auch viele Tipps gegeben. Die zwei Wochen waren einfach unbezahlbar. Und ich bewundere an ihm, wie er sich auf dem Platz 100-prozentig fokussieren kann.

Was empfiehlst du SPICK-Fans, die dir nacheifern möchten?
Das weiss ich nicht... Habt Spass, an dem was ihr gerne macht, dann fühlt es sich auch nicht einfach wie ein Job an. Bleibt dran! Manchmal muss man auch durch harte Zeiten gehen, bis es wieder aufwärts geht. Bleibt gesund!

Hast du Freunde, die nicht Tennis spielen, die du regelmässig siehst – und hast du überhaupt Zeit, um Freundschaften zu pflegen bei deinem dichten Programm?
Ja, ich habe auch Freunde neben dem Tennis. Die meisten sind im Tennis, aber ich habe in der Schweiz eine beste Freundin und versuche, so viel Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen. Ich habe natürlich ein dichtes Programm. Sie spielt Tennis nur hobbymässig. Ich bin sehr froh um sie. Ich kann mir ihr super abschalten und auch mal andere Dinge machen als Tennis.

Wo würdest du gerne mal wohnen und wieso?
Das ist auch eine sehr gute Frage... Ich würde sicher gerne irgendwo wohnen, wo es warm ist und es Sonne hat... Die Kälte ist nicht so meins... Wo genau, weiss ich noch nicht – ich bin erst zwanzig und habe noch lange nicht alles gesehen... Wenn ihr mich das in zehn Jahren nochmals fragt, dann weiss ich es vielleicht...

Was ist dein Lieblingsessen?
Pizza Margarita! Und Dessert - egal was, Hauptsache mit Nutella.... !

Was magst du gar nicht?
Ich habe nicht gerne Lügen und Unehrlichkeit.

Hast du ein Lieblingsbuch?
Ich lese gerne Krimis.

Welche Musik hörst du?
Beyonce und Rihanna.

Kennst du den SPICK?
Ja, ich kenne den SPICK. Ich habe glaube ich sogar mal ein Interview gegeben und das dann im Heft angeschaut. Ich finde es ein mega cooles Heft für junge Leute und fühle mich sehr geehrt, dass ich das Interview machen durfte. Und auch die Fragen fand ich super!

erstellt von Tanja Millius

Kommentare

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lisman

lisman, am 22.04.2018 - 12:01 Uhr

weiter so belinda du bisch voll gut

Mermaid

Mermaid, am 17.04.2018 - 18:13 Uhr

Ich bin mal in einem Tenniskurs gewesen fand es aber nicht so intressant!

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