BLIGG – Musiker mit Stil und Eleganz

Grosses SPICK-Interview mit dem Musiker und Produzent

Bild: © Simon Zangger

Was wolltest Du als Kind werden?
Das wechselte sehr oft, vom Pilot zu Feuerwehrmann alles Mögliche. Später dann wollte ich immer was im kreativen Bereich machen, Grafiker wäre sehr spannend gewesen.

Hast du schon als Kind gerne gesungen?
Bei uns Zuhause wurde immer sehr viel Musik gehört. Mein Vater ist leidenschaftlicher Vinylsammler und hat meine Geschwister und mich praktisch fast jedes Wochenende sehr früh am Morgen um 05.30 Uhr an Flohmärkte mitgenommen um nach seltenen und raren Schallplatten zu suchen. Neben Black Music und Rock lief damals auch viel Mani Matter und Georg Danzer, was sich sicher inspirierend auf meine Texte ausgewirkt hat.

Wann war dir klar, dass du nur noch Musik machen möchtest?
Das kam relativ spät. Mein erster Einstieg ins aktive Musizieren war mit dem Blockflötenspiel eher harzig. Später habe ich von meinem Vater eine Gitarre geschenkt bekommen und habe dann Lieder von den Rolling Stones und Mani Matter einstudiert. Einer meiner Lieblingssongs, welchen ich als Jugendlicher immer an Familienfesten performen musste, war von Los Lobos “La Bamba“.  Mit der Entdeckung von Rap ein paar Jahre später verlor dann die Gitarre etwas ihren Reiz und mit 17 Jahren hatte ich dann zusammen mit ein paar Freunden meinen ersten Release „Zürisläng Freischtill“, welche in einer Auflage von nur 300 Stück auf Vinyl erschien und mittlerweile zum Klassiker im CH Hip Hop gehört. Es folgten dann immer mehr Auftritte in Jugendhäusern und kleineren Clubs. Ich habe aber trotz vielen Konzerten und sieben Album Veröffentlichungen bis 2007 immer noch einen Teilzeitjob gehabt, da man von der Musik alleine nicht leben konnte. Mit dem Album „0816“ und dem Song „Rosalie“ welcher 2008 erschien und ein riesen Erfolg wurde, änderte sich dann das. Ich bin sehr dankbar, dass ich in den letzten 10 Jahren von der Musik leben kann und mir eine Firma mit drei Angestellten aufbauen konnte.

Wie hat sich deine Musik verändert über die Jahre und wie siehst du dich heute?
Ich war schon immer ein sehr experimentierfreudiger, weltoffener Künstler und lasse gerne verschiedene Stile in meine Musik einfliessen. 

Woher nimmst du die Ideen für einen Song?
Aus dem Leben.

Was macht für dich ein guter Song / Text aus?
Das ist sehr unterschiedlich und schwierig zu erklären.
Es ist schwierig, einfach zu sein.  Es ist schwierig, mit wenigen Worten, etwas auf den Punkt zu bringen. Es gibt Songs, die habe ich sehr schnell geschrieben wie zum Beispiel „Roasalie“, den habe ich in vier Stunden fertig verfasst. Dann gibt es andere Songs, an welchen ich vier Monate hatte. Es kommt immer ein wenig auf den Song an und auch, was er aussagen soll. Auf dem neuen Album habe ich Beispielsweise einen Song, der eine Art Partner-Tauschbörse darstellen soll und dann anhand des ABC das Ganze erklärt wird: „A wott mit B, aber B wott mit C, C wott mit D, aber D isch vergeh“ und dann rappe ich mich durchs Alphabet durch, was einfach daherkommt, aber es ist ein grosser Aufwand, diese Wortspiele miteinander zu verknüpfen, dass auch die Endungen stimmen. 

Du hast schon 240 Songs geschrieben. KombiNation ist dein 14. Album. Machen dir die Musik und Livekonzerte immer noch gleich viel Spass wie zu Beginn deiner Karriere, als du noch nicht so bekannt warst?
Ich bin mittelweile mehr als 20 Jahren mit meiner Musik unterwegs. Es macht mir aber nach wie vor immer noch wahnsinnig viel Spass Live unterwegs zu sein. Im Oktober gehe ich und meine Band auf grosse Tour von meinem aktuellen Album “KombiNation“ welche bis Mitte Dezember geht, darauf freue ich mich riesig. 

Viele Künstlerinnen und Künstler singen heute Englisch – du singst Mundart und bist sehr erfolgreich damit. Vielleicht gerade deshalb?
Ich glaube schon. Als ich damals angefangen habe mit Mundart Musik, gab es noch nicht so viele Bands. Klar, es gab die grossen Acts aus Bern wie etwa Polo, Züri West, Patent Ochsner und Gölä. Wenn du dir die letzten paar Jahre die Radiolandschaft oder auch die Festivals Line Ups anschaust fällt auf, dass extrem viele Mundart Bands dabei sind, was ich eine sehr schöne und gute Entwicklung finde.

Ist Mundart direkter und geht mehr als Herz als wenn du Englisch singen würdest?
Für mich kam Musik auf Englisch zu machen gar nie in Frage. Mir war es immer wichtig, dass ich mich in meiner Muttersprache und “wie mir der Schnabel gewachsen ist“ ausdrücke.

Was rätst du SPICK Leserinnen und Lesern, die dir nacheifern wollen?
Macht so viel Musik wie möglich und versucht, gut zu werden in dem, was ihr gerne macht. Das gilt nicht nur für die Musik, sondern generell. Bleibt auf jeden Fall eigenständig und versucht, euren eigenen Fingerprint (Stil) zu haben.

Du hast einen dreijährigen Sohn. Was ist das wichtigste, dass du ihm mit auf den Weg geben möchtest?
Folge deinem Gefühl, höre auf dein Herz, mach deine Angst zu deiner Stärke!

Was war dein liebstes Kinderbuch?
Ein Lieblingsbuch hatte ich nicht aber ich habe sehr viele Comics gelesen, ich war und bin ein grosser Comics Fan.

Was war dein liebster Kinderfilm?
“Das Dschungelbuch“ von Disney.

Was ist dein Lieblingsessen?
“Spaghetti aglio e olio“ von meiner Nonna.

War Bligg als Kind dein Spitzname – oder hast du ihn später als Künstlername gewählt?
Ich heisse zum Nachnamen Bliggensdorfer und schon relativ früh wurde in der Schulzeit dann aus Bliggensdorfer – Bligg.

Das magst du:
Humor und Zuverlässigkeit.

Das magst du gar nicht:
Ungerechtigkeit und schlechte Vibes.

Kennst du den SPICK?
Aber sicher, den Spick und die Ordner hatten wir als Kids immer Zuhause und nun, fast 30 Jahre später, schaue ich den SPICK mit meinem dreijährigen Sohn an.

2 Kommentare zu “BLIGG – Musiker mit Stil und Eleganz

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