Der talentierte Torjäger

Das grosse SPICK-Interview mit Haris Seferovic

Bild: © Toto Marti

Wolltest Du schon immer Fussballspieler werden oder hättest Du Dir auch eine andere Sportart vorstellen können – oder einen ganz anderen Beruf?
Fussballer zu werden war immer mein Traum. Und ich bin sehr glücklich, dass dieser Traum Wirklichkeit geworden ist.

Wann hast Du gemerkt, dass Du ein richtig guter Fussballer bist?
Das haben quasi andere für mich gemerkt. Ich wurde ins Ausbildungszentrum Emmen berufen und konnte von tollen Bedingungen profitieren, die der Verband da bot.

Hattest Du als Kind ein Vorbild – und falls ja wer war das und wieso?
Kein bestimmtes. Ich habe immer versucht, von den vielen guten Stürmern etwas zu lernen. Aber ich wollte auch immer meinen eigenen Weg gehen, meinen eigenen Stil bewahren.

Was braucht es, um als Stürmer ganz an die internationale Spitze zu kommen?
Stürmer werden an Toren gemessen. Von daher ist die Antwort einfach: Tore, Tore, Tore. Auf jeder Spielstufe. Nur die Umsetzung ist oft etwas weniger einfach. Die Verteidiger sind eben auch sehr gut.

Wieviel macht Talent aus, wieviel Ehrgeiz und Fleiss?
Das ist wie wohl überall im Leben: Der gute Mix ist entscheidend. Nur Talent genügt nicht. Nur Fleiss bringt dich auch nicht an die Spitze.

Hat dich deine Familie immer bei dem Ziel unterstützt, Profi-Fussballer zu werden?
Ja, extrem. Ich hatte die bestmögliche Unterstützung. Mein Gott, die sind so oft mit mir zu Trainings und Spielen gefahren und haben gewartet. Dafür bin ich ewig dankbar. Nur normal, dass ich jetzt auch etwas davon zurückgeben will und kann.

Im Fussball läuft’s nicht immer rund und es gibt immer auch wieder schwierigere Zeiten. Wie gehst Du damit um, wenn’s mal ne Weile nicht so gut läuft?
Am wichtigsten ist, dass man sich nicht verrückt machen lässt und sich dauernd den Kopf ausstudiert. Täglich hart arbeiten, damit es im folgenden Spiel besser geht.

Wie gut kannst du mit Druck umgehen, gerade, wenn dir verschiedene Seiten– auch Fans – zu spüren geben, dass es gerade nicht optimal läuft?
Also die Pfiffe nach der Barrage in Basel im November 2017 haben mich schon nicht kaltgelassen. Ich hatte alles gegeben für die Mannschaft, aber dann schienen verpasste Chancen für einige wichtiger zu sein als die geschaffte WM-Qualifikation. Doch auch darüber machte ich mir nicht zu lange Gedanken. Ich bin jemand, der schnell wieder nach vorne blicken und neue Herausforderungen anpacken kann.

Wie motivierst du dich, immer wieder „voll Gas“ zu geben?
Die Freude am Spiel, das Team, der Verein und seine Fans, die Nati natürlich mit unserem super Team Spirit. Die Erwartungen an die Schweizer Mannschaft dünken mich manchmal etwas gar hoch, aber es ist auch ein Kompliment an Trainer und Team, dass man uns so viel zutraut. Aber ich habe eh nie Probleme mit der Motivation. Ich will immer alles geben und siegen.

Was bedeutet es für dich, in der Schweizer Fussballnationalmannschaft zu spielen?
Sehr viel. Ich freue mich über jedes Aufgebot, auch wenn ich manchmal von weit her und etwas stressig anreisen muss, um pünktlich da zu sein. Wie gesagt: Unsere Gruppe ist super, wie verstehen uns prima, haben Spass, dass wir zusammen etwas reissen können.

Gegen Belgien hast du drei der fünf Tore erzielt. Eine beeindruckende Leistung! War das für Dich nebst der Freude auch eine Art Genugtuung?
Nein, nein, an sowas denke ich gar nicht. Natürlich freue ich mich über jedes Tor, das mir gelingt, aber ich freue mich auch für jeden anderen, der ein Tor schiesst. Wichtig ist nie ein einzelner Spieler. Nur die Mannschaft zählt.

Wie würdest du den Geist der Schweizer Nationalmannschaft beschreiben? Was macht dieses Team aus?
Man spürt einfach, dass einige sich schon lang kennen, quasi zusammen gross geworden sind. Nehmen wir Granit Xhaka und Rici Rodriguez. Mit den beiden war ich im Team, das 2009 die U-17-WM gewann. Andere haben andere Vergangenheiten zusammen. Das schweisst uns alle irgendwie zu einer super Einheit. Und wir spüren auch, dass uns Coach Petkovic auf einen super Weg geführt hat. Die positiven Resultate und Auftritte, vor allem nach der WM, haben das natürlich alles verstärkt.

Diesen Monat sind die beiden EM-Qualifikationsspiele gegen Dänemark und Georgien. Was ist dein Spiel-Tipp?
Ich bin kein Tipper. Sicher werden wir niemanden unterschätzen, nur weil wir in einer aktuellen Rangliste an der Spitze sind. Beide Teams sind sehr spielstark, Dänemark hat zudem eine super kompakte Defensive. Die lässt kaum Tore zu. Nicht vergessen: Die Dänen schieden an der WM erst im Penaltyschiessen gegen den nachmaligen Finalisten Kroatien aus. Aber wichtig ist, dass wir uns wie bisher auf unsere Qualitäten besinnen. Versuchen, unser Optimum auf den Platz zu bringen. Und Spiel für Spiel zu nehmen. Das nächste Spiel ist das wichtigste und schwierigste. Also: volle Konzentration da darauf!

Was ist dein grösstes sportliches Ziel?
Mit dem Klub natürlich Meister werden in Portugal. Mit der Nati 2019 die EURO-Quali auf direktem Weg schaffen.

Was ist dein grösster Traum privat?
Privates behalte ich gern für mich.

Was ist dein Lieblingsessen?
Alles, was meine Mutter kochte und kocht.

Was ist deine Lieblingsmusik?
Aktuelle Popmusik aus verschiedenen Regionen Europas. Aber mir gefällt auch das alte italienische Partisanen-Lied «Ciao bella ciao» sehr gut.

Was war dein liebstes Kinderbuch?
Pinocchio. Wegen der langen Nase, die er beim Lügen bekam. Das hat wohl dazu beigetragen, dass ich immer offen und ehrlich bin. Manchmal vielleicht auch ein wenig gar direkt für einige.

Was war dein liebster Kinderfilm?
Auch Pinocchio, natürlich. Ich erinnere mich noch, wie ich staunte, als ich seine Nase lang und länger werden sah…

Das magst du:
Ehrliche Menschen, auf die ich mich verlassen kann.

Das magst du gar nicht:
Unehrliche Menschen, die dir ins Gesicht lächeln und dich hintenrum anschwärzen.

Kennst Du den SPICK?
Ehrlich gesagt: Ich habe nicht gewusst, dass es den SPICK noch gibt. Freue mich aber sehr darüber. Coole Zeitschrift für interessierte Kids.

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